Ladeburg – ein Dorf in der Mark Brandenburg/ Barnim

Geschichte und Geschichten aus vergangener Zeit, aufgeschrieben von Beate Thaute

Auf dieser Zeitreise in die Vergangenheit wollen wir mit vielen historischen Details und Fotos die Erinnerung an das damalige Leben in Ladeburg wach halten.

Die Vorgeschichte zum Brandschutz bis zur Gründung einer Freiwilligen Feuerwehr in Ladeburg lesen sie im Geschichtsbeitrag April 2025 unter dem Motto:

„Brände in Ladeburg, Brandverhütungsmaßnahmen mit Handspritze, Ledereimer und Feuerleiter“

1925 bis 1945 Die Gründung der Freiwilligen Feuerwehr Ladeburg  und ihre Geschichte(n) Teil 2

Der 100. Gründungstag der „Freiwilligen Feuerwehr Ladeburg“ im August 2025 ist Grund genug in die Geschichte dieser Wehr einzutauchen.

1938:  

           

Aufstellung der Kameraden der „Amtswehr Ladeburg, Krs. Oberbarnim“ vor dem damaligen Feuerwehrhaus 

Auf diesem Foto aus dem Jahr 1938 ist das alte Feuerwehrgebäude gut zu erkennen. Im Hintergrund das Wohnhaus der Schmiede Hellwig/ später Rabenau und  rechts auf dem Vorplatz der Kirche steht eine Litfaßsäule. Feuerwehrauto ist vom Typ ein Benz-Wagen mit Aufbau und einer Anhängerkupplung für  eine Kleinmotorspritze, 12 Feuerwehrmänner finden im Fahrzeug Platz. Foto: Privatbesitz/ Ladeburg

Diese Geschichtsreise erhebt keinen Anspruch darauf, ein wissenschftliches Werk zu sein, vielmehr erzählt es über ein Jahrhundert die Entwicklung des dörflichen Brandschutzes in Ladeburg.  Eine Vielzahl von Akten, Dokumenten und Fotos konnten zusammengetragen, Geschichten, Erlebnisse und Informationen erzählt und aufgeschrieben werden und somit für die Nachwelt erhalten bleiben.

Es zeigt, wie die hier im Dorf lebenden Menschen unter schwierigsten Bedingungen Brände bekämpft und gelöscht haben. Hilfe in Nachbarorten leisteten, Tag und Nacht für den Notfall zur Verfügung standen und heute noch stehen.

Allen, die mit Zuarbeiten, persönlichen Erzählungen, Fotos und anderer Hilfe zum Gelingen einer „Feuerwehrchronik“ zum 80. Jubiläum im Jahr 2005 beigetragen haben, möchte ich auf diesem Wege nochmals herzlich danken.

Besonderer Dank gilt Erwin Sowa (†), der unermüdlich  „alte Ereignisse“   zusammen-getragen und weiter gegeben hat. 

Viele alteingesessene Ladeburger werden sich an scheinbar Vergessenes erinnern, aber auch Neues entdecken und die „Neu-Ladeburger“ lernen ihren jetzigen Heimatort besser kennen.

„Bevor in Ladeburg eine Freiwillige Feuerwehr bestand, galt das alte Prinzip der Gegenseitigkeit. Jeder arbeitsfähige Einwohner des Dorfes bis zum zurückgelegten 60. Lebensjahr war verpflichtet durch seine Hilfe zur Löschung eines ausgebrochenen Feuers beizutragen. Jeder Besitzer von Zugtieren musste für die Herbeischaffung der Löschgeräte und Wasser sorgen.“ 

Nach dem Vorbild anderer Nachbargemeinden fanden sich in Ladeburg Bürger und Bauern zusammen und gründeten im August 1925 die Freiwillige Feuerwehr Ladeburg. Zu dieser Zeit gehörte Ladeburg verwaltungsmäßig zur Provinz Brandenburg, Landkreis Oberbarnim mit der Kreisstadt Bad Freienwalde.

Gründungsmitglieder waren:    

Wilhelm Böhme; Ernst Böhme; Gustav Scheller; Albert Gahtow; Albert Seeger; Albert Gosch; Karl Klatte; Willi Schulze

Von li.n.re. : Willi Maaß, Wilhelm Böhme, Erich Maaß, Albert Seeger, Otto Pietrzack, Karl Klatte Foto 1920er Jahre:/ Privatbesitz  /Ladeburg 

 Feuerwehrpaß Oberführer Wilhelm Böhme / Familienbesitz F.W. Böhme aus Ladeburg

Wilhelm Böhme war der erste Wehrleiter von 1925 bis 1931, am 16.10.1927 legte er die Prüfung zum Brandmeister vor dem Prüfungsausschuß Oberbarnim ab.

1925:

Die erste Handspritze, per Hand oder von Pferden gezogen, schaffte 1925 die Gemeinde nach Gründung der Feuerwehr an. 

Der Bürgermeister der Gemeinde Ladeburg erstellte  eine Gespannkarte , mit dieser  wurde für jeweils eine Woche ein Gespannhalter verpflichtet, bei Alarm anzuspannen und die Pferdespritze zu befördern. 

Dem Höchsten zur Ehr! Dem Nächsten zur Wehr!“ Brandenburgischer Provinzial=Feuerwehrverband Fotokopie: Familie Friedrich Wilhelm Böhme, Ladeburg

Am 16. Oktober 1927 hat der Mitbegründer der Freiwilligen Feuerwehr Ladeburg, Wilhelm Böhme, die Befähigung zur Dienstleistung als Brandmeister einer Freiwilligen Feuerwehr mit einem Löschzug vor dem Prüfungsausschuss des Kreisfeuerwehrverbandes Oberbarnim in Ladeburg bestanden.

1925/26         Aus dem Einsatzbuch der Familie F.W. Böhme ist zu erfahren:            

Hier wurden Dienste , aktive Kameraden und Einsätze vermerkt

Aktive Kameraden:

W. Böhme,W. Kaiser, K. Klatte, G. Wegemund, A. Klatte, W. Höpfner, E. Böhme, B. Eckert, O. Pietrzack, F. Retzlow, K. Bielicke, W. Schulze, G. Schellert, O. Künzel, W. Maß, O. Seeger, G. Scharly, K. Torge, K. Eisenblätter, Fritz Jost, B. Tesch,

Auszug der Einsätze: 

Feuer Schmetz., Brandwache, Feuer Lobetal, Feuer Wache, Feuer Paulsdorf, Übung, Geräte reinigen, Appell, Feuer Bernau, Geräte reinigen, Übung in Bernau, Heidefeuer in Bernau, Vortrag K. Schneider, Spritzenhaussäuberung, Bezirksversammlung Biesenthal, Bezirksübung Biesenthal, Beerdigung Bernau und vieles mehr.

1929:             9. November 1929 viertes Stiftungsfest  

Theaterstück: „Der Speicherbrand“ oder „Gut Wehr“ im Restaurant Wilhelm Schulze und heiterer Vortrag: „Wer hat den Löschzug von Biesenthal nach Werneuchen gerollt“

1931:             Neujahrsgrüße aus Biesenthal

Am 30. April 1931 erhielten die Ladeburger Kameraden Neujahrsgrüße vom Bezirksleiter Lutter aus Biesenthal.

Diese Aufnahme der Biesenthaler Kameraden stammt aus dem Jahr 1909 / Karte: Privatbesitz/Ladeburg

Um 1930:

Unten auf dem Foto sind zwei Teiche vor dem Grundstück Wegemund/ Paul Gurn senior zu erkennen. Der Mittelweg (heute Straße „An der Kirche“) wurde um 1900 durch die Familie Büxenstein errichtet und führte bis zur ehemaligen Ziegelei Hellwig & Co.

Ansichtskarte:  Privatzbesitz/Ladeburg

Ein Teilstück des Teiches wurde in den 1930er Jahren zugeschüttet, um einen Schlauchtrockenturm für die Wehr zu errichten. Dieser Teich diente als Auffangbecken für das Straßenregenwasser der Rüdnitzer- bzw. Dorfstraße (heute Alte Lanker Straße). 

„Der Grund des Teiches ist fester Ton, der etwa 16 bis 18 mt. tief steht (festgestellt an der ganz in der Nähe befindlichen Ziegeleigrube). Unter der Tonschicht folgt Kies. Grundwasserstand  ca. 20 mt., Schwitz- und Sammelwasserstand 1,00 mt.“ (Auszug aus der Baubeschreibung von Karl Bielicke)

1935:   

Projekt Schlauchtrockenturm ohne Wagenschuppen

Das Projekt und die Bauausführung des Schlauchtrockenturms in der Nähe des Dorfteiches (siehe Lageplan unten) wurde durch die ortansässige Baufirma Karl Bielicke ausgeführt, geprüft  am 17.3.1935 vom Ladeburger Regierungsbaumeister Brell a.D. und genehmigt vom Landrat Dr. Albert von Thaer des Kreises Oberbarnim in Bad Freienwalde am 8.6.1935 unter der Bauschein – Nr. 409/35.

Lageplan Schlauchtrockenturm/Projekt 1935

Bauzeichnung: Der Kostenvoranschlag der Firma Bielicke belief sich auf 1752,72 RM.

Eine Kuriosität:  

    

Die Wetterfahne auf dem Schlauchtrockenturm wedelte fast 40 Jahre in luftiger Höhe – dann verschwand sie.

Schlauchtrockenturm mit Wetterfahne in den 1960er Jahren 

Im Kostenvoranschlag von Karl Bielicke ist unter der Pos.I „ein Stück Wetterfahne nach Zeichnung zu liefern und aufzubringen (Handarbeit)“. Kostenpunkt: 16,50 RM.

Dazu eine kleine Geschichte:

Der damalige Löschzugführer, Jens Thaute, bekam von seinem Freund Heiko Peckel im Jahr 2004 zum Geburtstag eine verrostete Blechplatte, versehen mit einem Rohr, überreicht. Noch ahnte Niemand, dass es sich um die verschwundene Wetterfahne vom Schlauchtrockenturm, der in den 1970er Jahren abgerissen wurde, handeln könnte.

Aber die Kameraden aus der Alters- und Ehrenabteilung der Ladeburger Wehr erkannten sofort , dass es sich um die heimische Fahne vom FFw.-Turm handelte.

Markus Wendt aus Lunow bearbeitete und reparierte das gute Stück und übergab die Fahne funktionstüchtig wieder Jens Thaute.

Für den Ladeburger Löschzugführer war es Ehrensache, dass die Fahne nur auf dem Feuergerätehaus ihren neuen Standort finden konnte.

Somit überreichten die Kameraden des Ladeburger Löschzuges diese dem Bürgermeister der Stadt Bernau bei Berlin, Hubert Handke, um sie auf dem Gerätehaus in der Otto-Schmidt-Straße in Ladeburg installieren zu lassen.

Seit 2005 , dem 80. Jubiläumsjahr der FF- Ladeburg, zeigt die Wetterfahne die Windrichtungen auf dem Feuergerätehaus in der Otto-Schmidt-Straße an.

Feuermeldestellen und Alarmierungen im Dorf:

In der Gemeinde Ladeburg gab es mehrere Feuermeldestellen, die durch Hinweisschilder an den Gebäuden gekennzeichnet waren.

Horn der Freiwilligen Feuerwehr Ladeburg

Bei einem Brand alarmierte man die Männer der Wehr mit Horn und Handsirene, gleichzeitig ertönte der Ruf „Feuer!“. Das Horn befand sich bei dem damaligen Nachtwächter der Gemeinde Ladeburg, Albert Gosch, der im so genannten Armenhaus in der heutigen Alten Lanker Straße 34, wohnte. 

Ehemaliges Büdner- oder Armenhaus, um 1800 erbaut / Foto 1970er Jahre: Privatbesitz/Ladeburg 

Feuerwehrlöschteiche:

Die Dorfteiche in der Rüdnitzer – und Schmetzdorfer Straße dienten als Entnahmestellen für Löschwasser. Aus dem Jahre 1935 ist bekannt, dass der Gemeinderat bei Grundstücks-Verkäufen sehr darauf geachtet hat, Teichparzellen nicht zu verkaufen, um den Wasserbedarf für Feuerlöschzwecke sicherzustellen.

Dorfteich in der Schmetzdorfer Straße, der Schlauchtrockenturm mit Wetterfahne ist gut zu erkennen Foto nach 1935: Privatbesitz/ Ladeburg

Im Jahre 1958 wurde der erste Tiefbrunnen gebohrt und zwei Zisternen errichtet.

1938:

Die Kameraden der Freiwilligen Feuerwehr  trainieren an der Kleinmotorspritze. Foto: Privatbesitz/ Ladeburg

Es soll nicht unerwähnt bleiben:  Die Kameraden haben sich zu damaliger Zeit die Uniformen selbst gekauft!

Schwere Brände in den 1940er Jahren:

Ladeburger Feuerwehr-Kameraden beim Löscheinsatz / Brandort unbekannt

Der Schinken war schuld:

Dachstuhlbrand in den 1940er Jahren beim Fuhrunternehmer Max Ebert in der Bernauer Straße Foto: Privatbesitz/ Ladeburg

Zu einem schweren Dachstuhlbrand kam es bei dem Fuhrunternehmer Max Ebert, später Horst Bischoff, in der Bernauer Straße. 

Verursacht wurde dieser Brand durch einen im Rauch hängenden Schinken. Dieser riss von der Strippe und fiel direkt in die glühenden Sägespäne für den Schmok. Das Fett entzündete sich umgehend und der Dachstuhl brannte aus. Die Räucherkammer befand im oberen Stockwerk.

Da das Wasser aus den Teichen zur Bekämpfung des Brandes nicht ausreichte, musste noch die Jauchekute vom Gemeindehaus gegenüber ausgepumpt und zum Löschen verwendet werden.

Hilfestellung der Ladeburger Wehr in Berlin und Nachbardörfern:

Die Ladeburger Kameraden wurden im und nach dem 2. Weltkrieg zu Einsätzen nach Berlin und anderswo gerufen. So zum Beispiel musste Hilfe bei einem Großbrand in einer Berliner Fleischerei und bei einem Speicherbrand auf dem Gutshof in Lanke geleistet werden.

In Lobetal brannte ein Stall mit Wohnung, durch schnelles Handeln unserer Wehr war der Brand schnell unter Kontrolle gebracht. 

Die Bekämpfung der unzähligen Waldbrände war für die Kameraden durch herumliegende Munition (Kriegshinterlassenschaften) sehr gefährlich, Unachtsamkeit konnte tödlich sein.

Sondereinheit der Luftwaffe in Ladeburg:

1943/44 bis Kriegsende war eine Sondereinheit der Luftwaffe zur Brandbekämpfung in Ladeburg einquartiert. Diese Sondereinheit 2000 ZBV (zur besonderen Verwendung) war vorwiegend in Berlin nach den Luftangriffen im Einsatz. 

Die Soldaten wohnten bei den Bauern im Ort. Die Feuerwehrautos standen jeweils in der Nähe des Quartiers der Soldaten auf den Straßen in Ladeburg  (mündliche Überlieferung).

Durch den 2. Weltkrieg sind viele Unterlagen abhanden gekommen, so dass vieles nur aus mündlicher Überlieferung berichtet werden kann. 

Ladeburger Feuerwehrmänner 1938

Beginnend erste Reihe von links: B. Eckert, W. Schulze, A. Seeger (Brandmeister), H. Hübner, F. Eisenblätter, A. Klatte, F. Beelitz, A. Weber, K. Matte, G. Scheller, H. Schiefelbein, R. Charly, H. Klatte, F. Wilde, W. Meinicke, E. Böhme, A. Engel, O. Blankenburg, O. Meinicke, W. Bleek, W. Gosch

Allen Leserinnen und Lesern ein gesundes und friedliches Jahr 2026 und weiterhin viel Freude beim Durchstöbern unserer kleinen Ladeburger Geschichtsseiten.

Das Werk, einschließlich aller seiner Teile, ist urheberrechtlich geschützt. Jede Verwertung ohne Zustimmung der Autorin ist unzulässig. Fotos: Privatsammlungen der Familien Thaute, Pruß, F.W. Böhme, Sowa, Mauritz, Bischoff, Otto,   Brychcey, Papke, Schreiber, Gurn, Literaturnachweis: Auszüge aus „Ladeburg – eine Zeitreise“, Petra Domke, Hrsg. Beate Thaute, Verlag Spree – PR, Berlin 2005, ISBN: 3-933039-21-5; Kreiskalender Oberbarnim 1931, Feuerwehrchronik Ladeburg Beate Thaute, Erwin Sowa 2005, Gemeindeprotokolle,  „Amtsdörfer im Oberbarnim“ Rudolf Schmidt, mündliche Überlieferungen Ladeburger Familien,